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Karikatur zum Flughafen Weeze

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Grüne Kleve

16. März 2014

Grünen-Chef: "Kein Geld mehr für den Flughafen"

Schwere Turbulenzen am Airport Weeze. Flughafen-Chef Ludger van Bebber spricht Klartext: " Es ist wirklich Scheiße"

Was ist denn da am Flughafen in Weeze los? Nachdem Ryanair dort 18 Strecken gestrichen hat, sieht es für das Unternehmen Airport gar nicht gut aus. Flughafen-Chef Ludger van Bebber wörtlich gegenüber dem Kurier: „Es ist wirklich scheiße!“

Der Kreis Klever Grünen-Vorsitzende Bruno Jöbkes fordert jetzt klare Kante vom Kreistag: „Keine weiteren Gelder für den Flughafen!“ 


Grüne für geordneten Ausstieg

In seiner Februarsitzung beschäftigte sich der Kreistag mit dem Flughafen. Allerdings im nicht-öffentlichen Teil. Landrat Wolfgang Spreen soll dort die Kreistagsmitglieder über die schwierige Situation des Airports informiert haben. Immerhin hat der Kreis dem Flughafen bekanntlich rund 30 Millionen Euro an Krediten gewährt. Die Kreistagsmitglieder wurden zur Verschwiegenheit verdonnert. Aber der Kreis Klever Grünen-Vorsitzende Bruno Jöbkes, der nicht im Kreistag ist, hat eine klare Meinung zum Thema. „Es wird nun offenbar, wie brenzlig die Situation in Weeze ist“, sagt Jöbkes im Gespräch mit dem Kurier. Er betont, dass die Grünen dem Flughafen immer skeptisch gegenüberstanden und bereits vor Jahren die Abwicklung gefordert hatten. „Wir hatten damals einen geordneten Ausstieg und die Gründung einer Auffanggesellschaft vorgeschlagen“, so Jöbkes. „Leider wollte die Mehrheit weiter an diesem angeblichen Leuchtturmprojekt festhalten. Wir wollen nun nicht der Totengräber des Flughafens sein, aber er muss jetzt mit privaten und nicht mit öffentlichen Geldern gesichert werden.“ Am 23. März gründet sich in Weeze erstmals ein Ortsverband der Grünen. Für Jöbkes ein Signal, dass auch in Weeze u.a. die Kritik am Flughafen wächst.

Flughafen-Chef: "Es ist wirklich Scheiße!"

Flughafen-Chef Ludger van Bebber versucht gar nicht erst, die Lage schönzureden: „18 Strecken weniger sind natürlich eine sehr große Herausforderung für uns. Da muss man jetzt was tun.“ 40 Ryanair-Strecken hat der Flughafen zwar noch im Programm, aber ein knappes Drittel weniger Ziele wirken sich natürlich verheerend auf den Umsatz aus. „Wir müssen nun das machen, was jedes Unternehmen in einer solchen Situation macht“, erklärt van Bebber und verweist auf drei klassische Möglichkeiten: 1. Kosten senken. 2. sich von Geschäftsteilen trennen oder 3. in den klassischen Geschäftsfeldern besser werden. Das hört sich so an, als gäbe es jetzt am Flughafen keine Denkverbote mehr. „Wir müssen uns zur Decke strecken“, sagt van Bebber. 


Schuld an der Streckenstreichung durch Ryanair soll die Luftverkehrsabgabe sein, eine Sondersteuer in Höhe von 7,50 Euro, die pro Fluggast erhoben wird und von der Fluggesellschaft abzuführen ist. Pikant: Die Abgabe gilt nicht in Holland. Deshalb kann man also mit Ryanair vom Flughafen in Eindhoven günstiger fliegen als ab Weeze. Das soll dazu geführt haben, dass die Buchungen in Eindhoven rauf und in Weeze runtergingen.

Olaf Plotke, Kurier am Sonntag online 15.03.2014, Printversion 16.03.2014

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Dokumentation

Wir dokumentieren hier den Bericht von Ralf Daute über die Kreistagssitzung vom 20.02.2014

Große Sorge um den Flughafen Niederrhein

Es war still im Maywald-Saal des Kreishauses, sehr still, als sich die 54 Mitglieder des Klever Kreistags auf ihrer Sitzung am 20. Februar zum nicht-öffentlichen Teil der Tagesordnung vorgearbeitet hatten. „Man hätte eine Stecknadel fallen hören können“, erinnert sich einer der Teilnehmer. Landrat Wolfgang Spreen (58, CDU) hatte den ersten Tagesordnungspunkt „Berichte aus den Beteiligungsgesellschaften des Kreises Kleve“ aufgerufen. Eine dieser Gesellschaften ist die Flughafen Niederrhein GmbH.

Flughafen seit lamgem Sorgenkind

Dass es ernst werden sollte, konnten die Teilnehmer schon daran festmachen, dass der CDU-Politiker die Kreistagsmitglieder vor Beginn seiner Ausführungen noch einmal ausdrücklich zur Verschwiegenheit vergatterte – als ob diese in der 24. und vorletzten Sitzung dieser Wahlperiode noch dieses Hinweises bedurft hätten.
Dann ging es um den Flughafen Niederrhein, der seit vielen Jahren vielen Politikern Sorgenfalten bereitet. Der Landrat versuchte bisher mit dem Hinweis auf eine mögliche gloriose Zukunft den Blick wegzulenken vom prekären Alltag des Regionalflughafens im Süden des Landkreises, der gerne auch als „Jobmaschine“ betitelt wurde. Die Wahrheit ist: Ab und an erwirtschaftete der Flughafen Weeze einen minimalen Gewinn, aber viel zu wenig, um die Millionenkredite des Kreises ernsthaft zurückführen zu können. Statt dessen bekam der Kreis Anteile am Flughafen.

Ryanair vertragsbrüchig?

Diesmal aber, so berichten es übereinstimmend mehrere Teilnehmer, führte Spreen in bemerkenswerter Offenheit aus, dass der Flughafen in einer wirtschaftlich schwierigen Lage sei. Das Geschäftsverhältnis des Flughafens mit der Fluglinie Ryanair sei problematisch. Es soll sogar das Wort „vertragsbrüchig“ gefallen sein, und das Unternehmen scheint wohl auch keine Garantien zu geben, die Zahl der in Weeze stationierten Flugzeuge mit dem Beginn des Sommerflugplans wieder zu erhöhen. Spreen deutete offenbar an, dass der Kreistag möglicherweise kurzfristig noch einmal zu einer Sitzung einberufen werden müsse. Man solle sich „jederzeit“ bereithalten. (Ruth Keuken, Sprecherin des Kreises, bestreitet allerdings, dass es derzeit solche Überlegungen gibt.)

Ist da was im Busch?

Ludger van Bebber, Geschäftsführer des Flughafens Niederrhein, wollte gegenüber kleveblog die Ausführungen des Landrats aus dem nicht-öffentlichen Teil nicht kommentieren, verwies aber auf die bekannten Zahlen zur Verkehrsentwicklung – Ryanair hatte den Flugplan für Weeze stark zusammengestrichen (siehe hier: Ryanair lässt Weeze links liegen). Zum Verhältnis zu Ryanair befragt, sagte van Bebber, er wolle – wie in der Wirtschaft üblich – zu den Geschäftsbeziehungen zu Vertragspartnern kein Statement abgeben. Auch die irische Fluglinie, sonst um große Worte nicht verlegen, ließ gestern nur lapidar verlauten: „Als Rückmeldung auf Ihre Anfrage möchte ich Ihnen heute gern mitteilen, dass das Unternehmen Gerüchte und Spekulationen nicht kommentiert.“

Problem Luftverkehrsabgabe

Ein Problem scheint offenbar die Luftverkehrsabgabe zu sein. Die irische Fluglinie (Jahresgewinn 2012: 593,3 Mio. Euro) muss in Weeze 7,50 € pro Kurzstrecken-Passagier bezahlen – aber tut sie das auch? Oder lässt sie sich diese ihrerseits bezahlen?
Van Bebber bezifferte die Höhe der Abgabe, die durch den Flugbetrieb in Weeze generiert wurde, auf rund neun Millionen Euro. Dies sei in Relation zum Jahresumsatz des Flughafens, der rund 22 Millionen Euro betrage, eine gewaltige Summe, die allerdings von Ryanair entrichtet werde, der Flughafen habe damit nichts zu tun.

Flughafen vor der Insolvenz?

Auf die Frage, ob der Flughafen möglicherweise zusätzliche öffentliche Mittel oder sonstige Formen der Unterstützung in nächster Zeit benötige, antwortete van Bebber: „Auf Basis des reduzierten Verkehrsaufkommens prüfen wir derzeit alle Dinge im Unternehmen. Ende März wissen wir, wie das Jahr 2014 für den Flughafen aussehen wird.“
Befürchtet er eine Insolvenz des Flughafens? Van Bebber: „Für mich als Unternehmer gibt es nur zwei Zustände: Es ist so, oder es ist nicht so. Diese Frage ist nicht seriös zu beantworten.“

Ralf Daute, kleveblog.de, 11.03.2014 (Zwischenüberschriften von uns - GKTF)